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Die Aurora hat im Herbst ihren großen Auftritt

Muss man wirklich mitten im Winter kommen, um die Nordlichter zu erleben? Nicht unbedingt, sagt der Sonnenphysiker Pål Brekke von der Norwegian Space Agency. Seiner Ansicht nach ist die Zeit rund um die Herbst-Tagundnachtgleiche besonders gut geeignet, um die Aurora Borealis zu beobachten. Hier erklärt er, warum.

Die Nordlichtsaison im Herbst beginnt mit einem Paukenschlag. Ende September und Anfang Oktober bieten besonders gute Chancen. Rund um die Tagundnachtgleichen im Herbst und Frühjahr treten generell mehr starke Polarlichter auf. Das hängt mit der Wechselwirkung zwischen Sonnenwind und dem Magnetfeld der Erde zusammen.

Ab Mitte September werden zudem die Nächte deutlich dunkler. All das macht den Herbst zu einem idealen Zeitpunkt für eine Reise nach Nordnorwegen – und für das Erleben eines der spektakulärsten Lichtphänomene der Natur.

  • 01Der See Botnvatnet bei Bergsfjord auf der Senja an einem Herbstabend © Truls Aasnes (IG: Truls from Norway)
  • 02Plötzlich erscheinen die grünen Strahlen am Himmel, auf der Atlantikseite der Insel Senja © Truls Åsnes
  • 03Aus Olaheimen, Süd-Senja © Truls Aasnes (IG: Truls from Norway)
  • 04Lagerfeuer under dem Nordlicht im Nationalpark Ånderdalen, Insel Senja © Truls Aasnes
01: Der See Botnvatnet bei Bergsfjord auf der Senja an einem Herbstabend © Truls Aasnes (IG: Truls from Norway)
02: Plötzlich erscheinen die grünen Strahlen am Himmel, auf der Atlantikseite der Insel Senja © Truls Åsnes
03: Aus Olaheimen, Süd-Senja © Truls Aasnes (IG: Truls from Norway)
04: Lagerfeuer under dem Nordlicht im Nationalpark Ånderdalen, Insel Senja © Truls Aasnes

Die Polarlichter entstehen auf der Oberfläche der Sonne

Die Ursache der Polarlichter wurde vor mehr als 120 Jahren erstmals vom norwegischen Wissenschaftler Kristian Birkeland erklärt. Er ging davon aus, dass die Sonne einen Strom geladener Teilchen aussendet. Diese treffen auf das Magnetfeld der Erde.

Die Teilchen bestehen aus Protonen und Elektronen. Man nennt sie den Sonnenwind.

Das Magnetfeld der Erde wirkt dabei wie ein unsichtbarer Schutzschild. Es verhindert, dass unsere Atmosphäre direkt vom Sonnenwind getroffen wird. Diese schützende Hülle nennt man die Magnetosphere.

Geomagnetische Stürme entstehen

Der Sonnenwind und solare Stürme transportieren auch das Magnetfeld der Sonne. Dieses kann mit dem Magnetfeld der Erde wechselwirken. Dabei entstehen sogenannte Geomagnetic storm. Sie liefern die Energie für besonders starke Polarlichter.

Hier liegt der Schlüssel zum Verständnis. Rund um die Tagundnachtgleichen treten stärkere und häufigere Nordlichter auf.

  • 01Die Umlaufbahn der Erde um die Sonne. Zu den Tagundnachtgleichen im Frühjahr und Herbst ist die Neigung der Erde genau so, dass die Teilchen von der Sonne besonders effektiv aufgenommen werden können. © Pål Brekke
  • 02Die Richtung des Magnetfelds, das der Sonnenwind oder koronale Massenauswürfe (CMEs) mit sich führen, entscheidet darüber, wie stark das Polarlicht wird. Ist es entgegengesetzt zum Magnetfeld der Erde ausgerichtet, entstehen kräftige Polarlichter; zeigt es in die gleiche Richtung, bleiben sie eher schwach. (S. Hill/NASA) Pål Brekke
  • 03Wenn die Teilchen von der Sonne die Erdatmosphäre erreichen, stoßen sie mit Sauerstoff- und Stickstoffatomen sowie -molekülen zusammen. Diese senden daraufhin Licht aus, das wir als Polarlicht sehen (solarmax.no). Pål Brekke
  • 04Sonnenwinde von der Sonne werden in Richtung Erde geschickt und entlang des magnetischen Schutzschildes des Planeten zu den Polarregionen geleitet. © Pål Brekke
01: Die Umlaufbahn der Erde um die Sonne. Zu den Tagundnachtgleichen im Frühjahr und Herbst ist die Neigung der Erde genau so, dass die Teilchen von der Sonne besonders effektiv aufgenommen werden können. © Pål Brekke
02: Die Richtung des Magnetfelds, das der Sonnenwind oder koronale Massenauswürfe (CMEs) mit sich führen, entscheidet darüber, wie stark das Polarlicht wird. Ist es entgegengesetzt zum Magnetfeld der Erde ausgerichtet, entstehen kräftige Polarlichter; zeigt es in die gleiche Richtung, bleiben sie eher schwach. (S. Hill/NASA) Pål Brekke
03: Wenn die Teilchen von der Sonne die Erdatmosphäre erreichen, stoßen sie mit Sauerstoff- und Stickstoffatomen sowie -molekülen zusammen. Diese senden daraufhin Licht aus, das wir als Polarlicht sehen (solarmax.no). Pål Brekke
04: Sonnenwinde von der Sonne werden in Richtung Erde geschickt und entlang des magnetischen Schutzschildes des Planeten zu den Polarregionen geleitet. © Pål Brekke

Entgegengesetzte Magnetfelder erzeugen den Effekt

Ein Magnet hat zwei Pole: einen Nord- und einen Südpol. So wie eine Kompassnadel. Auch das Magnetfeld der Sonne besitzt diese beiden Pole.

Ist das Magnetfeld im Sonnenwind nach Süden gerichtet, wirkt es dem nach Norden gerichteten Magnetfeld der Erde entgegen. Die Felder schwächen sich gegenseitig. Der Schutzschild der Erde wird dadurch schwächer.

Es entstehen gewissermaßen Öffnungen in der Magnetosphäre. Geladene Teilchen können leichter in Richtung der Polarregionen strömen. Dort treffen sie auf Atome und Moleküle in der Atmosphäre – und erzeugen die leuchtenden Nordlichter.

Ist das Magnetfeld im Sonnenwind hingegen nach Norden gerichtet, bleibt die Wechselwirkung schwach. Die Nordlichtaktivität ist dann entsprechend gering.

  • 01Die Lyngen Alps und das Nordlicht, gesehen vom Dalberget bei Djupvik am Lyngenfjord © Petr Pavlíček/Visit Lyngenfjord
  • 02Die Schutzhütte am Dalberget in Kåfjord am Lyngenfjord. Ja, und die Nordlichter © Petr Pavlíček/Visit Lyngenfjord
  • 03Sich warm halten in der Schutzhütte am Dalberget, in den Bergen oberhalb des Dorfs Djupvik in Kåfjord
  • 04Lagerfeuer und erste Nordlichter über den Lyngenalpen © Petr Pavlíček/Visit Lyngenfjord
01: Die Lyngen Alps und das Nordlicht, gesehen vom Dalberget bei Djupvik am Lyngenfjord © Petr Pavlíček/Visit Lyngenfjord
02: Die Schutzhütte am Dalberget in Kåfjord am Lyngenfjord. Ja, und die Nordlichter © Petr Pavlíček/Visit Lyngenfjord
03: Sich warm halten in der Schutzhütte am Dalberget, in den Bergen oberhalb des Dorfs Djupvik in Kåfjord
04: Lagerfeuer und erste Nordlichter über den Lyngenalpen © Petr Pavlíček/Visit Lyngenfjord

Das Modell stammt aus den 1970er-Jahren

Die Wissenschaftler Christopher Russell und Robert McPherron beschrieben diesen Effekt in den 1970er-Jahren. Er kann das ganze Jahr über auftreten. Besonders stark ist er jedoch rund um die Tagundnachtgleichen.

Ihr Modell erklärt, warum sich diese „Öffnungen“ in der Magnetosphäre dann häufiger bilden. Dieser Zusammenhang wird heute als Russell-McPherron effect bezeichnet.

  • 01Ein See auf Senja – und die Nordlichter © Steffen Fossbakk (IG: seffis)
  • 02Im Oktoberwald im Inneren der Insel Senja © Steffen Fossbakk
  • 03Nordlichter an einem ruhigen Abend an der Außenküste von Senja © Steffen Fossbakk IG seffis
  • 04Die Küste Senja und die Nordlichter © Steffen Fossbakk (IG: seffis)
01: Ein See auf Senja – und die Nordlichter © Steffen Fossbakk (IG: seffis)
02: Im Oktoberwald im Inneren der Insel Senja © Steffen Fossbakk
03: Nordlichter an einem ruhigen Abend an der Außenküste von Senja © Steffen Fossbakk IG seffis
04: Die Küste Senja und die Nordlichter © Steffen Fossbakk (IG: seffis)

Es kommt auf die richtige Ausrichtung an

Das Modell zeigt auch, wie wichtig die Ausrichtung des Erdmagnetfelds ist. Ähnlich wie die geneigte Erdachse ist es gegenüber der Sonne und der Umlaufbahn der Erde gekippt.

Zweimal im Jahr steht dieses Feld besonders günstig. Dann kann es geladene Teilchen von der Sonne leichter aufnehmen. Das führt zu stärkeren Polarlichtern.

Gleichzeitig stehen die magnetischen Pole der Erde in einem nahezu rechten Winkel zur Richtung des Sonnenwinds. Dadurch wird dieser besonders wirksam.

Das Ergebnis: mehr geomagnetische Stürme. Und mehr Nordlichter. Dieser Effekt wird als Equinoctial effect bezeichnet. Die derzeit hohe Sonnenaktivität verstärkt ihn zusätzlich.

  • 01Nordlichter in einem Fjord Senjas © Kristoffer Vangen
  • 02Northern Lights in Ånderdalen on the island of Senja © Kristoffer Vangen IG krisvang
  • 03Late autumn and northern lights on Senja island © Kristoffer Vangen IG krisvang
01: Nordlichter in einem Fjord Senjas © Kristoffer Vangen
02: Northern Lights in Ånderdalen on the island of Senja © Kristoffer Vangen IG krisvang
03: Late autumn and northern lights on Senja island © Kristoffer Vangen IG krisvang

Alle elf Jahre schlägt das Herz der Sonne

Die Sonne hat gewissermaßen einen Herzschlag. Etwa alle elf Jahre erreicht sie ein Aktivitätsmaximum. Dieses wird anhand der Anzahl der Sonnenflecken gemessen und als Solar maximum bezeichnet.

Darauf folgt einige Jahre später eine ruhigere Phase: das Solarminimum. Während des solaren Maximums treten besonders viele solare Stürme auf.

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Die ersten Nordlichter zeigen sich bereits Ende August

Wer diesen Herbst nach Nordnorwegen reist, hat gute Chancen. Vielleicht sogar bessere als seit vielen Jahren. Die Saison beginnt bereits Ende August. Dann werden die Nächte wieder dunkel genug.

Die Nordlichter an einem klaren Himmel tanzen zu sehen, gehört zu den eindrucksvollsten Naturerlebnissen überhaupt.

Pål Brekke ist Sonnenphysiker mit einem Doktortitel in Astrophysik der University of Oslo. Er hat viele Jahre bei der NASA gearbeitet. Heute leitet er die Weltraumwissenschaften bei der Norwegian Space Agency.

Er vermittelt Astrophysik und Nordlichter auch einem breiten Publikum. Er ist ein gefragter Referent und Autor mehrerer Veröffentlichungen. Außerdem hat er eine preisgekrönte Dokumentation über die Nordlichter produziert. Mehr dazu unter www.solarmax.no

Geschrieben von På Brekke
11. Mai 2026
Zuletzt aktualisiert 20. August 2026
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